Clair












+ Clair und Du
im Hier und Jetzt +

Ich und Du - feedback

Ich soll zu dir sprechen, ich soll dir meine ganz persoenlichen Gefuehle mitteilen und fuer den Fall, dass diese auch kritische Dinge ansprechen, dann ist es besser, wenn ich dir sage, dass es sich dabei um meinen Eindruck, meine Meinung und meine Empfindung handelt. Das soll dich dann weniger verletzen und dir neben meiner Sicht auf die Dinge, immer noch die deine zugestehen. Denn du hast dein Recht auf deine Meinung und auf deinen Blick auf die Welt und deine Art, dir die Dinge zurecht zu legen und dir deinen Lebensraum zu konstruieren.
Sprichst du auch von dir zu mir?
Und wenn wir nun Beide vom "Ich zu Du" sprechen und unsere Meinungen und Blicke und Ansichten sich widersprechen?
Ja dann koennen wir uns entscheiden, ob sich damit auch unsere Pfade trennen, ob wir uns auf anderer Ebene wiederfinden koennen, ob wir mit Widerspruechlichkeiten leben koennen, ob wir Ambivalenzen aushalten koennen, ob wir einander im Anderssein lieben koennen oder ob wir uns annaehern, es wichtig finden, eins zu sein, nachgeben zu koennen, aufeinander zu hoeren.
Vielleicht hast du ja Recht?!
Vielleicht habe ich ja Recht!?
Vielleicht geht es gar nicht darum.

Im Hier und Jetzt - escapism

Wo ist Hier?
Da wo ich gerade bin? Wieviel Heimat brauche ich?
Wieviel oertliche Bindung ist wichtig zum Wohlsein?
Verwurzelt sein, wieder zentriert sein, die eigene Erdung finden - einen ganz sehnsuechtigen Klang haben diese Dinge nun auf einmal, da ich unterwegs bin.
Wie Hier sein, wenn die Seele noch nicht nachkommen konnte, da sie eine ganz eigene Zeitlichkeit hat?
Ich mag Menschen, die scheinbar alles dabei haben, die sehr "content" sind, nichts fehlt, wo auch immer sie sind, alles, was sie brauchen, tragen sie in sich, im Kopf, im Herzen, im Bauch. Das Einzige, worauf Verlass ist, bin Ich? Wie nur wie?
Wann ist Jetzt?
Jetzt, genau Jetzt. Keine Denkmalpflege, keine Erinnerungen. Keine Zukunftstraeume, keine Visionen. Ganz nackte Gegenwart.
Oder eben das Frueher und das Spaeter in das Jetzt hineinlegen, denken, fuehlen. Es aktuell machen. Die Vergangenheit leben - aber nur das, was bestaendig mitschwingt, was bis ins Heute hineinragt und dann, genau Jetzt auch damit etwas anfangen. Jetzt mit dem Morgen beginnen, nicht sich vorhalten, warum es erst dann Wirklichkeit werden wird, wenn dieser Moment vorueber ist. Jetzt die Traeume und Wuensche in die Realitaet holen und sich nicht vertroesten auf dann. Manchmal sich davon stehlen, in Gedanken, weg vom Hier und Jetzt ist eigentlich auch ganz schoen. Der Realitaet entfliehen, sich wegzaubern. Denken, dass es vor allem woanders und zu einer anderen Zeit alles besser sein koennte.
Eskapismus.
Und dann diesen Ort und diese Zeit suchen. Ist das Kraftquelle und Vision, Antrieb fuer Lebenskraft und Veraenderung oder nur bestaendiger Hort von Enttaeuschungen und Wieder-Weiter-Muessen, Weg-Muessen?
Ich soll mir vorstellen - und Du dir auch, wenn du willst - alles, was da draussen ist, was stoert, uns ablenkt vom Hier und Jetzt - in eine grosse Kiste zu packen, aus diesem Raum und von uns weg zu schieben und ganz fest abzuschliessen. Morgen wieder, aber Jetzt und Hier nicht!
Diese Momente, in die man zerfliesst, ganz eins mit der Welt, der Zeit, dem Ort, dem Sein. Schwebendes Erleben, Ganzsein, Dasein, Lebendig und Abwesend, Erhoeht und Empfindsam zugleich. Manchmal gelingt es. Reichtum.

Ich und Du im Hier und Jetzt - vision

Du bist meist nicht in meinem Hier.
Jetzt bin Ich in deinem Hier, doch Du bist gerade nicht da.
Befinden wir uns im selben Hier, wenn wir zusammen sind?
Wo bist Du in deinen Gedanken?
Meist bin nur Ich bei mir.
Finden wir diese schwebenden Momente, in die wir fliessen koennen? Die uns verbinden, miteinander und mit der Welt, dem Besonderen, dem Unendlichen?
Kommst Du mit mir Fort?
Doch Jetzt noch nicht, das muss noch warten.
Schaffen wir uns ein gemeinsames Hier?
Kann mein Hier zu deinem Hier werden, kann ich das Hier erleben, weil Du und nicht ein Ort mir das moeglich macht? Du, ein Mensch, als meine Heimat, Ich als die Deine?
Sich losloesen von Raeumen, Gezeiten, das Hier und Jetzt verlassen.
Kommst Du?

Berlin-Amsterdam, 05.12.2000              Clair Fichtner

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