Marc












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Neulich

Neulich sah ich an einer belebten Kreuzung im Berufsverkehr jemanden mit seinem Fahrrad stürzen. Ich ging vorbei, lachte und wußte, daß der am nächsten Tag selbst darüber lachen wird. Ich ging vorbei, wie viele andere auch, aber freute mich über die vier helfenden Hände, die dem Gestürzten aufhalfen.
Einen Tag später stürzte jemand direkt vor mir und schlug sich den Kopf auf. Diesmal half ich, war halt zufällig gerade da, um zu helfen. Bin nicht besonders stolz auf meine Tat. Habe einfach nur das getan, was in dem Moment von Nöten war.
Das nächste Mal stürze ich und irgendeine Hand wird schon da sein. Wenn nicht, naja, irgendwann wird sich schon eine Hand finden und die Schmerzen werden vergehen.
Und wie seltsamer Weise in der letzten Zeit Leute stürzen und wieder aufstehen oder ihnen aufgeholfen wird, so bemerke ich auch Veränderungen an der Uni und im Berufsverkehr.
Mit mir ist eigentlich nicht viel passiert in den letzten Tagen, aber die Leute sehen mich anders an. Viele können mir nicht in die Augen blicken. Auf Bahnsteigen werde ich um Rat gefragt. Ich, der nun weiß Gott alles andere als seriös aussieht. Und in den Seminaren widersprechen mir kaum noch Kommilitonen. Dabei rede ich denselben Scheiß wie früher. Inhaltlich hat sich nichts verändert. Ich schwöre.
So laufe ich also jeden Tag durch meine Stadt, sehe jeden Tag andere Menschen und denke über die wenigsten von ihnen nach, es sei denn sie erwecken irgendwie mein Interesse, so wie dieser angetrunkene Indio, der mir in der S-Bahn andauernd zuprostete. Ich tat wie mit einem Bier in der Hand und lächelte zurück. Als er ausstieg, verlor er seine Brieftasche, die ich aufnahm und ihm hinterher rannte. Er bedankte sich bei mir, und ich beschloß die eine Station zu laufen. Ich ging die Treppe runter und kam gerade rechtzeitig, um dem Typen aufzuhelfen, der vor mir gestürzt war. Es hatte ihn böse am Kopf erwischt. Mit meinem Handy rief ich einen Krankenwagen, und bis der kam, blieb ich bei dem Mann, der kreidebleich war.
Ich ging dann Shoppen, und die Verkäuferinnen behandelten mich ebenfalls respektvoller, aber ich erwähnte ja bereits, daß Leute neuerdings anders auf mich reagieren. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, daß ich jetzt weiß, was ich will. Aber verändert habe ich mich eigentlich nicht.

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