Man kann es anstellen wie man will, ein saurer Apfel ist offensichtlich immer dabei. Vor mehr als sieben Jahren habe ich mir gedacht: "Okay, als Tischler kannst Du nicht ewig arbeiten, jedenfalls nicht ohne die Gesundheit zu ruinieren (den Beweis für diese These traten meine damaligen älteren Kollegen an). Als Alternative bleibt nur ein Studium, denn das Geld soll ja auch wieder stimmen."
Das war im Grunde eine ziemlich simple Strategie, welche sich allerdings in ihrer Umsetzung als langwierig und beschwerlich erwies, da ich vor dem Studium erst die Hochschulreife erlangen mußte. Gut, erledigt, den Abschluß habe ich in der Tasche.
Erledigt? Na ja, um die Strategie zu vollenden, muß ich natürlich in meinem neuen Beruf auch arbeiten. Glücklicherweise muß ich der Arbeit nicht hinterherlaufen, meine Bewerbungen sind auf einige offene Ohren gestoßen und nun kann ich es mir aussuchen, wo ich anfangen möchte.
Allerdings sehe ich mich genau aus diesem Grund mit einem völlig neuen Problem konfrontiert. Ein Problem, das ich noch nie hatte, von dem man sich aber nur wünschen kann, noch mehr davon zu haben: die Qual der Wahl. Es ist unheimlich schwierig, sich für einen Job zu entscheiden. Zumal nicht alle Angebote gleichzeitig kommen und man gewissermaßen ein glückliches Händchen braucht, um die Frage zu entscheiden: "Behalte ich jetzt Tor 1 oder warte ich noch auf die Schatztruhe?"
Die "eierlegende Wollmilchsau" war natürlich nicht dabei, sonst fiele die Entscheidung wohl weniger schwer. Irgendein faules Ei muß ich immer in Kauf nehmen. Der eine bietet mehr Geld, der nächste hat ein tolles Konzept, ein anderer glänzt durch seine gute Positionierung im Markt und schließlich gibt es noch einen, bei dem ich – zumindest vorerst – nicht umziehen muß. Ja, umziehen, das hatte ich damals nicht einkalkuliert. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Warum auch? Über 150.000 Firmen sind im Berliner Branchenbuch registriert und von denen soll keine einen Job für mich haben? Sollten die 1.804.200 Berliner Haushalte eine derartig starke Konkurrenz darstellen? Nein, tatsächlich gibt es genug Stellen, die ich hätte bekleiden können, aber woanders gibt es eben bessere.
Das ist sozusagen auch schon die Entscheidung: wenn man das ganze schmückende Beiwerk entfernt, welches meine Bequemlichkeit oder den Materialisten in mir ansprechen soll, so bleibt das Wesentliche, das passen muß: der zukünftige Job und die ihn begleitenden Umstände. Mit diesem Maßstab zu messen bedeutet in meinem Fall: adieu schöner Dienstwagen, adieu 83.000,- DM Jahressalär, adieu Berlin und Sauerland, ich komme!
Möglicherweise war das nicht die populärste Entscheidung, aber eines ist auf jeden Fall sicher: die Qual der Wahl ist vorbei.
Hier und Jetzt Kontakt aufnehmen!
























